Mit Geben und Nehmen die
Lebensqualität im Ort erhalten

Als Ilka Morr mit Freunden Ende der 1980er Jahre die Idee hatte, in der Ovelgönner Mühle ein Projekt für inklusives Wohnen zu realisieren, war nicht vorstellbar, was daraus bis heute wird: Die Stiftung Lebensräume Ovelgönner Mühle ist mit ihren vielen Aktivitäten zu einem zentralen Faktor des Miteinanders in der kleinen Gemeinde geworden.

Die Erlebnisse in den über 30 Jahren, von denen Morr und ihre Mitstreiter berichten könnten, würden ein dickes Buch füllen. Das, was die Erfolgsgeschichte der Inklusion in Ovelgönne kennzeichnet, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Mut, Visionen, Vertrauen, Miteinander, Durchhaltevermögen und – wenn es dann notwendig war – in entscheidenden Momenten auch das Quäntchen Glück und Menschen, insbesondere auch Angehörige der späteren Bewohner, die mit anpackten, wenn es erforderlich war. Morr: „Ganz entscheidend ist und war bei allem, was wir machen: Die Menschen im Ort haben uns freundlich aufgenommen und unterstützt.“ Nach dem erfolgreichen Umbau der Mühle zum Wohn- und Arbeitsort für 18 Menschen mit Einschränkungen sei das eine zu dem anderen gekommen. So sei man 2005 über eine Zwangsversteigerung zum Hotel- und Gaststätteneigentümer geworden. Seitdem führt die Stiftung den „König von Griechenland“ erfolgreich als Kommunikations- und Veranstaltungsort in der Ortsmitte.

Doch damit nicht genug. Als der Lebensmittelladen im Ort vor dem Aus stand, war die Stiftung wieder zur Stelle. Auch dieser für den Ort wichtige Anlaufpunkt konnte als Dienstleistungszentrum erhalten werden und bietet heute – einschließlich vieler Produkte aus der Region und über die Kasse als Geldausgabestelle – alles für den Tagesbedarf. Morr: „Aus heutiger Sicht denke ich oft: Es war unsere Unbeschwertheit in jungen Jahren, die uns die Kraft gab, in die Wesermarsch zu ziehen und einfach zu machen. Heute kann ich sagen: Wir dürfen zeigen, was man erreichen kann, wenn man zusammenhält und niemanden ausgrenzt.“ Ovelgönne würde heute vieles an Lebensqualität fehlen, wenn es die „Mühle“ mit mittlerweile etwa 100 Mitarbeitenden, die auch eine kleine Grün- und Ackerfläche hinter der Mühle bewirtschaften, nicht geben würde. „Es ist ein Geben und Nehmen, zu dem wir alle gemeinsam beitragen, mit dem wir für viele Orte in Deutschland zu einem Vorbild geworden sind.“

„Wir haben vom ersten Tag an
Offenheit und Akzeptanz im Ort erlebt“ 

Ilka Morr, Gründerin der Stiftung Lebensräume Ovelgönner Mühle

Nächstes Projekt: Inklusives Seniorenwohnen 

Bevor Morr – wie sie selbst sagt – „in Rente geht“, möchte sie im Ort noch ein weiteres Projekt umsetzen. „Inklusives Seniorenwohnkonzept“- ist der Titel für ein Konzept, das es in dieser Form bisher so nicht gibt. Ein Grundstück in der Ortsmitte ist bereits gekauft, die Gespräche mit Fördermittelgeben laufen. Morr: „Wir standen vor der Frage, wie wir die Menschen, die nun teilweise seit über drei Jahrzehnte hier im Dorf ihr Zuhause haben, auch im Alter gut betreuen können.“ Gleichzeitig wurde klar, dass es für Wohnen im Alter im Dorf  allgemein Bedarf gibt. Auch in Ovelgönne gebe es viele ältere Menschen, für die das eigene Haus zu groß geworden ist die Unterstützung im Alltag benötigen. „Nun wollen wir auch hier ein Projekt umsetzen, dass auf das Miteinander setzt, so wie wir es vom ersten Tag an mit Offenheit und Akzeptanz erlebt haben.“ Ob dieses Vorhaben dann der Schlusspunkt eines mutigen, großen Engagements für Menschen in Ovelgönne sein wird? Die, die Ilka Morr kennen, haben daran so ihre Zweifel.

Ilka Morr

Ilka Morr (60) ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin der Stiftung Lebensräume Ovelgönner Mühle. Sie ist in Bremen aufgewachsen, hat Sonderpädagogik studiert und ihre Diplomarbeit dem Thema „Alternative Lebensformen für Menschen mit einer geistigen Behinderung“ gewidmet. Seit 1989 lebt sie in der Wesermarsch und ist Motor für eine erfolgreiche Inklusion in der Region.

Kontakt

Stiftung Lebensräume Ovelgönner Mühle
Kirchenstraße 45
26939 Ovelgönne
Telefon: 04401/8342
www.ovelgoenner-muehle.de

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